Tagebuch (Diary) MAZI

DAS MAZI-TAGEBUCH

Vorgeschichte

Im Frühjahr 2018 machten zwei unserer heutigen Vorstandsmitglieder Urlaub in Lentas und der Region. Wieder einmal, wie so oft schon. Nur dass diesmal, nach dem Rückflug, eine gewisse Irritation bei beiden aufkam. Nicht zum ersten Mal waren sie konfrontiert gewesen mit dem vielfältigen Alltagselend, das sich auch hinter der tollen Urlaubskulisse im Süden Kretas verbarg. Wobei von verbergen eigentlich keine Rede sein konnte, wenn man nur mal ein wenig genauer hinschaute und zuhörte. Fakt ist, die Krise hat Griechenland mehr im Griff denn je. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen vieler Politiker im Land selbst und vor allem in der EU.

Eines ergab das andere. Die Schönheit der Region und die umwerfende Gastfreundschaft zu genießen, war das eine. Aber konnte oder besser sollte da nicht ein bisschen mehr sein? Was konnte man tun, um speziell diese Region und ihre Bewohner*innen zu unterstützen?

Wiederum ergab eines das andere. Wo war das offene Europa der vielen Regionen und Kulturen? In den Maximen und Direktiven von Brüssel aus sicher nicht! Das konnte eigentlich nur von unten, bei den vielen Menschen direkt sich entwickeln und wachsen. Graswurzelprinzip nennt man so etwas. Nicht nur im Austausch und in der gegenseitigen Solidarität. Auch in der Entscheidung, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, sich schrittweise die Lebensgrundlagen zu erkämpfen, die einem von oben mehr und mehr verwehrt werden. Sei es in dem Bemühen, sich eine ausreichende Lebensgrundlage zu sichern durch eine menschenwürdige Arbeit. Sei es in der Achtsamkeit für die Umwelt, für den anderen, die Gemeinschaft und Gemeinschaftlichkeit schlechthin. Nur zusammen sind Probleme zu lösen – und dies über Grenzen hinaus. Wie sagte Che Guevara so schön: Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker.

Kurzum, der Samen war aufgegangen bei den beiden Urlaubern.

Die Vereinsgründung

Schnell war eine Gruppe von gut einem Dutzend Kreta- und Griechenland-Liebhabern zusammen. Eine Art Solidaritätsverein sollte entstehen (wovon es in Deutschland bereits einige gab). Dieser hier mit Sitz in Wuppertal, aber durchaus offen für Mitglieder auch aus anderen Städten und Regionen der Republik. Fleißig wurde am Konzept gefeilt – das auf der MAZI-Website in seinen vielen Facetten jetzt einzusehen ist. Nicht selten genervt die vielen bürokratischen Hürden zur Kenntnis genommen, bis eine Vereinseintragung und vor allem der Status der Gemeinnützigkeit errungen werden konnte. Kurzum wieder einmal: Anfang 2019 war die Kuh vom Eis oder alles in grünen Tüchern. Der MAZI e.V. stand, ganz offiziell und mit allem drapiert, was nötig und gut war. Eine Einsicht bleibt trotzdem: Ohne die tatkräftige Mithilfe und Unterstützung vieler Menschen in eben jener Region wäre dies nicht möglich gewesen.

Viele Monate von Austausch und Diskussion

Eine grundlegende Sache hat uns von Anfang an beschäftigt. Uns war klar, dass wir nicht einfach in Südkreta auftauchen konnten und sagen: Hier sind wir, jetzt machen wir mal! Das hätte nolens volens den Beigeschmack einer Degradierung der dortigen Menschen zu Opfern mit sich gebracht.

Aber wir hatte Glück. Wir wussten von einer Dorfinitiative in einer Nachbargemeinde von Lentas. Hatten uns vor zwei, drei Jahren bereits einmal mit einer der Initiatorinnen darüber unterhalten. Es gab also bereits Aktivitäten und Engagement, an das man anknüpfen konnte. Und sogar einen gemeinnützigen Verein, eben jenen von Tsigounas (mehr dazu auf der Website unter dem Menüpunkt Projekte). Und siehe da: Es gab sogar noch mehr Bewegung, andere Vereine. Als da sind: Freiwillige Feuerwehr/Umweltschutz für die Asterousia-Berge direkt an der Küste. Und den Kulturverein Miamou/Lentas, der unter anderem für die Sanierung eines Bergdorfes in der Nähe kämpft. Dann wurden wir auch fündig, was selbständige Kooperativen im landwirtschaftlichen Bereich angeht. Kollektive, die eben nach dem Graswurzelprinzip leben und sich engagieren, mit bioorganischem Anbau (siehe zu allen ebenfalls die Website).

Nun war es schlechterdings unmöglich, dies alles telefonisch und/oder via Mail anzugehen. Einer unserer Vereinsgründer ist also im Juli und dann im September für je eine Woche nach Kreta geflogen. Dabei stieß er auf viel Interesse und noch mehr liebe und entgegenkommende Menschen. Die Grundlage war damit gelegt: Unterstützung der Vereine und ihrer Inhalte. Aber auch der Wunsch nach Austausch und einem Voneinander-Lernen. Nach gemeinsamen Aktivitäten und Veranstaltungen. All dies ist in die Website von MAZI eingeflossen, so, wie es auch unsere kommende Arbeit bestimmen soll.

Erste konkrete Aktivitäten

Ein weiterer und diesmal längerer Aufenthalt zweier unserer Gründungsmitglieder hat dann zu praktischen Betriebsamkeiten geführt. Die Website wurde um eine aktive Plattform verbessert für die wechselseitige Kommunikation und Kooperation (Marktplatz und Forum). Ein umfangreiches Start-Up-Projekt Ende Mai/Anfang Juni (Aktionswoche Miamou) wird nunmehr vorbereitet.

Ebenso steht aktuell auch der „Kick-Off“ für unsere Region hier in Deutschland an. Schließlich wollen wir ja, dass der Verein bekannt wird, dass sich möglichst viele Menschen mit uns und den Menschen auf Kreta engagieren. Und sich dabei austauschen. Dafür gibt es viele kleinere und größere Möglichkeiten, die wir auf verschiedenen Wegen vermitteln wollen. Das ist jetzt unsere nächste große Aufgabe.

Anfang März, nach ein paar vorgezogenen Frühlingstagen hier in Deutschland

Das erste Aktiv-Projekt (Bergdorf Miamou) ist „eingestielt“. Die Kerngruppe steht, Flüge und Unterkünfte sind klargemacht, nun müssen wir uns, zusammen mit den kretischen Freund*innen, zum Beispiel über das Fest Gedanken machen. Denn das soll natürlich auch eine großartige Angelegenheit werden.

Es ist einiges, dass uns in diesem Zusammenhang sehr gefreut hat, was wir so schnell und auch umgreifend nicht unbedingt erwartet hatten. Zunächst: Es können durchaus noch einige Freiwillige aus unserer Region wie auch anderen Teilen Deutschlands dazustoßen. Da ist noch einiges in der Schwebe. Die Unterstützung in Südkreta, zum Beispiel bei der Suche nach preiswerten Unterkünften, war riesengroß. Unser Verein und auch die Website wurden mehr als wohlwollend zur Kenntnis genommen. Dann hat der kretische Verein „Volunteer Firefighters“ auf seiner Jahreshauptversammlung vor kurzem MAZI und unseren gemeinsamen Aktivitäten viel Raum gewidmet. Auch die zweite geplante Aktionswoche Ende Oktober zum Thema „Wasserproblematik“ wurde eingehend behandelt. Hier laufen bereits Vorbereitungen, die unter anderem die Universität Kreta miteinbezieht.

Unsere Publicity-Aktivitäten hier in der Region kommen langsam ins Rollen. Da wird bis Mai noch einiges anstehen, über das wir natürlich berichten werden.

Wird in unregelmäßigen Abständen fortgesetzt …