Tsigounas Association

Umdenken ist angesagt

– Panorama Tsigounas –

Tsigounas ist ein kleines Dorf an der Küste des Libyschen Meeres, unmittelbar an den Hängen des weit ausgedehnten Asterousia-Gebirges gelegen. Ein paar Kilometer abseits vom touristisch recht bekannten Lentas, führt es ein eher beschauliches Dasein mit seinen xxx Einwohnern. Diese sind vorwiegend in der Landwirtschaft tätig.

Die Anbaumethoden haben sich jedoch hier wie anderswo in den letzten drei Jahrzehnten erheblich verändert, Unmengen von Gewächshäusern die meisten traditionellen Freilandanbaugebiete ersetzt. Produktionssteigerungen und frühere wie häufigere Erntezeiten waren das eine und natürlich ganz im Sinne der Landwirte. Die Kehrseite der Medaille zeigte sich jedoch in einem unglaublichen Aufkommen an Plastikmüll von nicht mehr verwendbarem Material. Für Tsigounas betrug dieser in der Saison 2004/2005 bereits rund 18 Tonnen, vornehmlich resultierend aus Gewächshaus- und Pflanzenabdeckung wie endlosen Wasserleitungen.

Das Fatale dabei: Fast 30 Prozent davon wurden einfach in der Landschaft liegengelassen, mehr als 30 Prozent verbrannt, ein beachtlicher Teil landete auf freien Müllkippen und nur 17 Prozent wurden recycelt. In der Summe ein ökologisches Desaster, viele Dutzende von Ortschaften in der Region verfahren ja ganz ähnlich.

Die Kehrseite der Medaille zwingt zu Alternativen ..,

Allerdings gab es zu Beginn des neuen Jahrtausends auch ein erstes Umdenken in Teilen der Dorfbevölkerung von Tsigounas. Ein gemeinnütziger Dorfverein wurde in Leben gerufen („Association for Promotion and Protection of the Village of Tsigounas”). Ganz oben auf der Agenda stand eine bessere Entsorgung des angesprochenen Plastikmülls. Aber auch alternative Anbauweisen wurden ins Visier genommen, Wiederbelebung traditioneller Fertigkeiten, die Entwicklung des Ortes und seiner Infrastruktur, soziale Belange, Kontakt und Austausch mit zugezogenen Menschen aus dem Ausland und mehr.

     

Alles in allem ein Prozess von nicht immer einfacher Bewusstseinsbildung, der seine Zeit gebraucht hat. Das Ergebnis kann sich ohne Frage sehen lassen. Seit gut einem Jahrzehnt wird der Plastikmüll zentral gesammelt und dann behördlicherseits abgeholt und recycelt oder zumindest umweltgerecht entsorgt. Auch der Hausmüll wird seit kurzem getrennt abgefahren und verwertet. Im Dorf und der Umgebung wird konsequent aufgeforstet. Die östliche Zufahrt zum Dorf wurde asphaltiert, gleiches steht an für die weitere westliche Wegführung. Auch die gemeinschaftlichen Aktivitäten im Dorf wie mit der Nachbarschaft haben beachtlich zugenommen (Feste, Austausch und mehr). Das Dorf und der Tsigounas-Verein sind damit schon so etwas wie ein Pilotprojekt für die Region geworden.

Schwierigkeiten auch mit den Behörden …

Nicht nur die gemeinschaftliche Meinungsbildung war dabei zeitweilig etwas mühsam. Manches musste auch beharrlich und mit Nachdruck gegenüber Politik und Behörden erkämpft werden. So auch nach einem Brand in der Umgebung im Jahre 2014, der die Zuleitung für das Gemeindewasser zerstörte. Bis heute müssen sich die Haushalte im Dorf aus den landwirtschaftlichen Leitungen versorgen. Steter Druck von Gemeinde wie Verein hat jedoch letztlich dafür gesorgt, dass jetzt (Stand 2018) die Arbeiten für eine neue und nun auch unterirdische Zuleitung ausgeschrieben wurden.

Bei allen Erfolgen steht jedoch nach wie vor ein Problem im Raum, das für die Zukunft geradezu existentiell ist, dies nicht nur für das Dorf, sondern gleichsam für die gesamte Region bis weit in die Messara-Ebene hinein. Der Grundwasserspiegel in den Asterousia-Bergen zwischen Küste und Landesinnerem sinkt seit Jahren erschreckend schnell. Unterschreitet der Pegel ein gewisses Maß, so ist in den unterirdischen Hohlräumen kein Gegendruck mehr vorhanden, von der Küste wird unweigerlich Meerwasser in diese eindringen. Die katastrophale Konsequenz dann: Die gesamte Region wird „desertifizieren“, also zur Wüste werden.

Der Problemfall Wasser …

Es ist bei weitem nicht so, dass Dorfverein und Einwohner von Tsigounas einen nachhaltigeren Umgang mit Wasser außer Acht gelassen hätten. Vieles ist erreicht worden gegenüber früherer Gleichgültigkeit zum Beispiel in Bezug auf poröse Leitungen und undichte Verbindungsstücke. Auch im Hinblick auf mehr Achtsamkeit im allgemeinen Umgang mit dem lebensnotwendigen Grundstoff sind Erfolge zu verzeichnen. In Sachen Treibhausanbau existieren dennoch weiterhin gravierende Mängel, die noch erschwert werden dadurch, dass jeder Landwirt privat für seinen Wasserbedarf in den Bergen bohren lässt. Eine gemeinschaftliche Herangehensweise somit (noch) nicht erkennbar ist.

   

Auch dies ist natürlich eine Frage von Bewusstseinsbildung und Auseinandersetzung mit der Thematik. Welche auf dieser Website in einem gesonderten Menüpunkt vertieft werden soll („Hauptproblem Wasser“), da sie natürlich nicht allein ein Problem von Tsigounas darstellt.

Bei aller funktionierenden Eigeninitiative: Verein und Dorf brauchen auf jeden Fall Unterstützung, wie sie bereits im Kleinen von regelmäßigen Urlaubern gegeben ist, die dem Verein beigetreten sind. MAZI will hier informierend und vermittelnd tätig sein, zu Austausch, Kooperation und auch Spenden anregen.